Alte Postkarten aus Wilster

Aktuelle Kategorie: Wilsteraner Schiffer und Schiffe

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1825 Walfänger Brigg DIE HARMONIE VON BEIDENFLETH

1825 Walfänger Brigg DIE HARMONIE VON BEIDENFLETH

1825 Walfänger Brigg DIE HARMONIE VON BEIDENFLETH
Gemälde in Deckfarbenmalerei, 34,7 x 53,8 cm
Signatur: L. Busch, 1825. pinx
Inschrift am Heck des Schiffes: DIE HARMONIE VON BEIDENFLETH
Der Danebrog am Heck des Schiffes erinnert daran, das Holstein - mithin auch Wilster - bis 1865 zum Gesamtstaat Dänemark gehörte.
Vor 200 Jahren und davor wurden u.a. von Altona, Beidenfleth, Brunsbüttel, Itzehoe, Glückstadt, Kollmar, Uetersen Schiffe zum Wal-Fang und Robbenschlag in das Eismeer im Nordatlantik ausgesandt.
In den Jahren 1818 bis 1825 ging von Beidenfleth aus die Brigg DIE HARMONIE VON BEIDENFLETH regelmäßig auf Walfang.
Besondere originale Erinnerungsstücke an diese Zeit sind längst (etwa ab 1875) verschwunden, z.B. die aus den Kiefernknochen der Wale gebildete Tore - jeweils zwei standen in Wewelsfleth am südlichen Deich bei der Störmündung sowie in Beidenfleth hinter der Mühle und eines weiter nach Hodorf zu.
Am Mühlenhörn an der Grenze der Kirchspiele Wewelfleth und Beidenfleth stand bis Mitte des 19ten Jahrhunderts eine Transiederei. Sie wurde u.a. auch von dem von Beidenfleth ausgesandten Grönlandfahrer DIE HARMONIE VON BEIDENFLETH beliefert. Sie fuhr von 1818 bis 1823 unter dem Kommandeur P. Sommer und danach unter dem Kommandeur J. Voß.
1819 mußte die HARMONIE "wegen gebrochenen Ruders Grönland am 12. Juny verlassen". Überhaupt waren die Reisen überaus gefährlich und es waren Verluste an Schiffen und Mannschaften zu beklagen.
In den Beidenflether Kirchenbüchern finden sich auch Einträge von Grönlandfahrern aus früherer Zeit.
Im Totenregister ist u.a. unter dem 02.Oktober 1780 vermerkt, dass der Sohn "des nach Grönland Fahrenden Joh. Stammer" gestorben sei.
Am 14.September 1819 wird Johann Friedrich Wulf als "Faßbinder auf dem hiesigen Grönlandfahrer" genannt (beim Tode seines Sohnes).
Ein besonders tragisches Geschehen ist am 08.August 1820 dokumentiert mit "Hinrich Wichmann, ehel. Sohn des Webers zu Hohenfelde Emke Wichmann und Abel geb. Münster. Er diente als Matrose auf dem hiesigen Grönlandfahrer. Kam hier an seinem Todestage glücklich von seiner gefahrvollen Reise an und ertrank etwa eine Stunde nachher, indem er vom Schiffe in die Challuppe herabspringen wollte und das Boot verfehlte. Er war 19 Jahre alt und wurde stille beerdigt."
Auch auf den von anderen Häfen der Region ausgehenden Schiffen fuhren Männer aus den Orten der Wilstermarsch und aus Wilster mit; so z.B. 1820 auf der "EINIGKEIT VON BRUNSBÜTTEL" der Speckschneider Maat Michel Rohweder, der Partfahrer Hinrich Bielenberg und die Matrosen Claus Böther und Hinrich Ahmling. Dabei war auch der damals siebzehnjährige Matrose Peter von Holdt, welcher später zum Stammvater der heute in Nordfriesland und auf den Nordfriesischen Inseln lebenden "von Holdt" wurde.
Aus den in der Wilstermarsch gelegenen Orten gehörten noch Carsten Saß und Johann Ohlhafer (beide aus Brokdorf), David Detlefs (aus Wewelsfleth) und Peter Mahn (aus Flethsee) zu der 51 Männer umfassenden Besatzung.
Als Beleg für die aus Wilster und der Wilstermarsch stammenden Seefahrer liegen Auszüge aus der originalen Mannschaftsliste des Walfängers "EINIGKEIT VON BRUNSBÜTTEL" aus dem Jahre 1820 vor. Darin sind die Namen der genannten Wilsteraner sowie deren damaliges Lebensalter aufgelistet.
Den von Glückstadt aus erstmals 1818 auf die Reise gegangenen Schoner SCHNELLHEIT ereilte bereits auf seiner zweiten Reise ins Nordmeer sein Geschick. In einem vom 16.bis 18. März 1819 wütenden Orkan ging das Schiff mit seiner 26 Mann umfassenden Besatzung verloren. Die Namen der Verunglückten sind im Glückstädter Totenregister verzeichnet; unter ihnen sind genannt Johann Averhoff aus Beidenfleth und Jacob Lucht aus Wilster.

Heute erinnert vor dem Gebäude der Gemeinschaftsschule der Wilstermarsch in Wilster als Objekt "Kunst am Bau" die Fluke eines abtauchenden Wals auch an die bedeutende Zeit von Grönlandfahrt, Walfang und Robbenschlag sowie die daran beteiligten Männer aus Wilster und der Wilstermarsch.
In Erinnerung ist auch noch allgemein, dass von Wewelsfleth und Beidenfleth aus früher die bekannten Störkringel tonnenweise als Schiffsproviant an die Walfänger geliefert wurden.

Quellen:
Der Historische Walfang in Bildern - Altonaer Museum in Hamburg, Norddeutsches Landesmuseum (1987)
Schleswig-Holsteins Grönlandfahrt auf Walfischfang und Robbenschlag (1937), von Wanda Oesau

1872 Wilsterau am Helgenland, Frachtewer, Häuser an der Deichstraße

1872 Wilsterau am Helgenland, Frachtewer, Häuser an der Deichstraße in der Stadt Wilster

ca. 1872 Wilsterau am Helgenland, Rückseite der Häuser an der Deichstraße
Winterliches Bild von der zugefrorenen Wilsterau und dem im Winterlager vor der alten Zollstation (später "Waffenhalle") liegenden Frachtschiff „Holsatia“, ein Wilsterau-Ever.
Unmittelbar rechts vom Mast des Frachtewers ist auf dem Ufergrundstück ein hölzerner Kran zu erkennen.
Die zu 14 BRT vermessene "Holsatia" war 1871 auf der Wilsteraner Werft von Friedrich Bergmann auf dem Helgenland für den Schiffer Claus Maass gebaut worden.
Seinerzeit befand sich in dem Gebäude der sogenannten „Waffenhalle“ eine Zollstation. Der Name Waffenhalle für die spätere gleichnamige Gastwirtschaft in dem Gebäude rührt daher, daß der Inhaber in seinem Lokal eine Waffensammlung ausstellte.
Heute findet keine Fracht-Schifffahrt mehr auf der Wilsterau statt, das Gewässer wird nur noch von kleinen Sportbooten und auf einer Teilstrecke von dem Aukieker als touristische Atraktion befahren. Daneben ist die Wilsterau ein gerne besuchtes Angel-Gewässer; als solches wird die Wilsterau auf der Internetseite der Stör Angler vorgestellt.

Bildrechte: Hans-Peter Mohr; den Abzug erhielt ich von Werner Behning, Wilster, aus dessen Sammlung die Aufnahme stammt

1876 Rosengarten, Ewer am Quai, Rückseite von Häusern an der Deichstraße (Ausschnitts-Vergrößerung)

1876 Wilster, Rosengarten, Ewer am Quai, Rückseite von Häusern an der Deichstraße
1876 Wilster, Rosengarten, Ewer am Quai, Rückseite von Häusern an der Deichstraße
1876 Wilster, Rosengarten, Ewer am Quai, Rückseite von Häusern an der Deichstraße

ca. 1876 Blick auf den alten Hafen am Rosengarten.
Die Fußgängerbrücke führt vom Rosengarten zur Deichstraße.
Daneben links das Haus des Photographen Hans-Peter Mohr mit ausgestellten Photographien im Schaufenster. Zwischen diesem Haus und dem im Anschnitt abgebildeten Haus führt die Zufahrt zum Helgenland, dem alten Werftplatz der Stadt Wilster.
Das Frachtschiff „Persia“ liegt offenbar bereits im Winterlager. Die als Giekewer getakelte "Persia" war ebenfalls ein Wilsterau-Ewer (also weniger als 4,00 m breit) und ist 1875 in Wilster auf dem Helgenland erbaut worden.

Bilder 1 und 2: Bildrechte sind nicht verzeichnet; mit großer Sicherheit wohl Hans-Peter Mohr; den Abzug erhielt ich von Werner Behning, Wilster, aus dessen Sammlung er auch stammt
Bild 3: Bildrechte: Robert Friedrichs, Wilster - Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder von den Originalnegativen gezogene Fotografien erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1880 Fracht-Ewer unter Segeln am Audeich

1880 Fracht-Ewer unter Segeln am Audeich in Wilster

ca. 1880 Fracht-Ewer unter Segeln am Audeich
Den seinerzeit sicherlich nicht ungewöhnlichen Anblick eines Fracht-Ewers unter Segeln auf der Wilsterau wird kein Besucher dieser Seite noch erlebt haben.
Es handelt sich bei dem abgebildeten Gewässerabschnitt um die Wilsterau - hier die 1483 künstlich gegrabene sogenannte Sielwettern - am Audeich.
Im Hintergrund ist ein Gehöft erkennbar (Hof 209 c in dem Buch "Die Bauernhöfe der Wilstermarsch im Bild"), welches seinerzeit im Eigentum von Jürgen Blöckert stand und danach in das Eigentum der Familie Herzog gelangte.

Bildrechte: nicht bekannt
Das Foto wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Heidi und Heinz Steinbrecher, Wilster

1880 Segelschute ANNA im Hafen am Rosengarten

1880 Segelschute ANNA im Hafen am Rosengarten in der Stadt Wilster

1880 Wilsteraner Hafen am Rosengarten
Der aus Flethsee/St. Margarethen stammende alte Schiffer Johannes Schleu – seine Großtante Heimke Schleu hatte am 21.04.1834 in Wilster Peter von Holdt geheiratet – steht am Mast seines 30 BRT großen Segel-Ewers „Anna“.
Vom Rosengarten zum Wasser der Wilsterau herunter führt eine breite Treppe, deren Standort noch vor wenigen Jahren erkennbar war.
Die hochrädrige Handkarre ist eine sogenannte Schott´sche (Schottische) Karre, wie sie lange Zeit bis in die 1960er Jahre in Wilster verwendet wurde.
Links der Kühl´sche Speicher; im Hintergrund sind die Rückseiten der Häuser an der Schmiedestraße zu erkennen.

Bildrechte: Hans-Peter Mohr, Wilster

1880 Wilsteraner Hafen am Rosengarten, Speicher, Fracht-Ewer

1880 Wilsteraner Hafen am Rosengarten, Speicher, Fracht-Ewer

1880 Wilsteraner Hafen am Rosengarten, Speicher, Fracht-Ewer; Häuser an der Schmiedestraße
Der aus Flethsee/St. Margarethen stammende alte Schiffer Johannes Schleu – seine Großtante Heimke Schleu hatte am 21.04.1834 in Wilster Peter von Holdt geheiratet – steht am Mast seines 30 BRT großen Segel-Ewers „Anna“.
Der Junge vorne schiebt eine hochrädrige Handkarre, eine sogenannte Schottsche (Schottische) Karre.
Vom Rosengarten herab führt eine breite Treppe zur Wilsterau.
Links der unmittelbar an der Wilsterau stehende Speicher der Bäckerei von August Kühl an der Deichstraße; über der oberen Luke befindet sich ein Flaschenzug, mit dessen Hilfe das Be- und Entladen der unmittelbar am Speicher festmachenden kleinen Fracht-Ewer erfolgte.
Es ist zutiefst zu bedauern, dass Gründe des Denkmalschutzes und des Ortsbildes es nicht bewirken konnten, die Erhaltung dieses schönen und prägenden Gebäudes sicher zu stellen!
Die Verfüllung des Gewässers am Rosengarten konnte in der Zeit um 1980 auf Initiative des Betreibers dieser Heimat-Seite gegen viele Widerstände und unter Inkaufnahme von erheblichen Anfeindungen verhindert werden. Nur deshalb erinnert heute noch visuell erlebbar das zwar erheblich verengte Gewässer und die in Klinkerbauweise – senkrechte preußische Kappen – errichtete Quaimauer mit ihren eisernen Festmacherringen an die Geschichte der Stadt Wilster als Schiffer- und Handelsort.
Hinten rechts die Rückseiten der Häuser an der Schmiedestraße.
Der alte Kran ganz rechts wurde erst in den 1950er Jahren beseitigt - leider wurde er nicht erhalten als Zeuge für die Vergangenheit von Wilster als Stadt der Schiffer und des Seehandels!

Bildrechte: Hans-Peter Mohr, Wilster
Sammlung Werner Behning, Wilster
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder Fotos von den Originalnegativen erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1880 Wilsterau am Rosengarten - Frachtschiffe im Winterlager

1880 Wilsterau am Rosengarten - Frachtschiffe im Winterlager

ca. 1880 Wilsterau am Rosengarten
Blick vom Rosengarten – dem alten Hafen der Stadt Wilster – auf die zur Winterruhe vertäuten Schiffe wilsteraner Schiffer.
Der Ewer in der Mitte mit seinem langen Klüverbaum führt Seitenschwerter, wie sie von flachkieligen Fracht-Segelschiffen zum Segeln am Wind zur Verringerung der Abdrift unerläßlich sind.
Links der hohe Speicher der Bäckerei von August Kühl.
Der oben links erkennbare Stadtarm der Wilsterau führt Richtung Altes Rathaus und weiter durch die gesamte Stadt bis zum Schweinebrok.
Der Name „Rosengarten“ ist sehr alt. Im Mittelalter hatte fast jede Stadt in Norddeutschland mit dem sogenannten "Rosengarten" ihren Platz, auf dem die Gilden (mittelalterliche Versicherungen auf Gegenseitigkeit) ihre Feste feierten. Mit der Armbrust wurde dabei nach dem Papagoyen geschossen (der Brauch lebt heute in Wilster als Vogelschießen der Bürger-Schützen-Gilde fort).

Bildrechte: vermutlich Hans-Peter Mohr, Wilster
Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder Fotos von den Originalnegativen erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1881 Wilsterau - Hafen am Rosengarten, Frachtkähne in Winteruhe

1881 Wilsterau - Hafen am Rosengarten, Frachtkähne in Winteruhe

18.02.1881 Rosengarten und Wilsterau
Das genaue Datum ist belegt.
Blick auf den Rosengarten und auf die im Winterlager in der zugefrorenen Wilsterau liegenden Frachtschiffe;
deutlich ist zwischen den beiden vorderen Schiffen zu erkennen, daß das Eis aufgeschlagen wurde, um den Eisdruck auf die Schiffe zu verringern.
Sehr gut ist hier die Funktion des unmittelbar an der Wilsterau gelegenen Kühl´schen Speicher zu erkennen.
Der oben nach links führende Arm der Wilsterau führte durch die gesamte Stadt und am Alten Rathaus vorbei bis zur Schweinsbrücke am Brook.
Rechts ist das einmündende Bäckerstraßenfleth und die es überquerende schmale Brücke zum Neumarkt erkennbar.
An der Einmündung des Bäckerstraßenfleth steht das Gebäude der Stellmacherei Sorgenfrey; in den ersten Jahrzehnten nach dem II. WK war hier die Stellmacherei Karstens untergebracht, wobei die Einmündung des Fleths überbaut war.

Viele Jahrzehnte später veröffentlichte die Wilstersche Zeitung in den 1960/70er Jahren eine Artikel-Reihe "Alt-Wilster", in welcher auch das vormalige Aussehen der Straßen und Plätze in Erinnerung gerufen wurde (Bild 2).
Die Aussagen der Zeitung zum Namen des Rosengarten und zum Fotografen sind jedoch zu ergänzen:
Der Name „Rosengarten“ ist sehr alt. Im Mittelalter hatte fast jede Stadt in Norddeutschland mit dem sogenannten "Rosengarten" ihren Platz, auf dem die Gilden (mittelalterliche Versicherungen auf Gegenseitigkeit) ihre Feste feierten. Mit der Armbrust wurde dabei nach dem Papagoyen geschossen (der Brauch lebt heute als Vogelschießen fort).
Der Photograph Hans-Peter Mohr, dem Wilster sehr viele uralte Fotografien zu verdanken hat, wohnte seinerzeit in dem Haus am Rosengarten-Steg. Er hat offenbar die Aufnahme aus seinem Wohnzimmer heraus gemacht!

Bildrechte: Hans-Peter Mohr; den Abzug erhielt ich von Werner Behning, Wilster, aus dessen Sammlung die Aufnahme stammt.
Der Zeitungsausschnitt wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Tanja Thode, Beldorf

1900 Bootswerft auf dem Helgenland

1900 Bootswerft auf dem Helgenland zwischen den beiden Armen der Wilsterau in Wilster

1900 Bootswerft auf dem Helgenland zwischen den beiden Armen der Wilsterau.
Am rechten Bildrand ist der Schornstein und das Betriebsgebäude der dort 1873 gegründeten Gerberei von Johannes Falk zu erkennen.
Auf beiden Armen der Wilsterau haben Wilsteraner Schiffer ihre Ewer zur Winterruhe festgemacht.
Sowohl an der Spitze des Helgenlandes als auch quer zum Hauptarm sind an den dort vorhandenen Slip-Anlagen jeweils Ewer zwecks Inspektion und Überholung auf den Helgen der Bergmann-Werft gezogen worden. Im Jahre 1910 ist auf der Werft mit der von Martin Bergmann auf eigene Rechnung gebauten "Georgine" das wohl letzte Frachtschiff in Wilster gebaut worden.
Letzter Traditionsträger des Wilsteraner Schiffbaues auf dem Helgenland war der Tischlermeister Heinrich von Holdt (* 1909, + 1973) der in seinem an der Spitze der Halbinsel stehenden Bootsschuppen im Zeitraum von 1949 bis 1962 mehrere hölzerne Segeljachten erbaute.
Folgende Wilsteraner Werften sind auf dem Helgenland bezeugt:
1840 bis 1910 Werft von Friedrich Bergmann, danach ab 1886 Martin Bergmann
1856 bis 1884 Werft von Hans Fack, danach Johannes Fack
Hans Fack hatte offenbar zuvor in Itzehoe im Jahr 1852 eine kleine Werft gegründet und dann den Betrieb nach Wilster verlegt. Die Familie Fack war in Holstein eine bekannte Schiffbauerfamilie. Die 5 Söhne des Hans Fack betrieben ebenfalls Werften (Johannes ab 1876 in Wilster; Ferdinand ab 1899 die bereits 1873 gegründete Werft in Burg; Hermann in Tönning; Wilhelm in Rethwisch; Johann Heinrich ab 1880 in Itzehoe)
1861 bis 1876 Reimer Griese
1871 Heinrich Rehder
1879 bis 1890 Theodor Engel
1885 Martin Bruhn
1949 bis 1962 Heinrich von Holdt

Bildrechte: wohl Ludwig Behning; das Foto stammt aus der Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder von den Originalnegativen gezogene Fotografien erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1900 Stadt Mühle und Meierei, Lastkahn auf der Wilsterau

1900 Stadt Mühle und Meierei an der Wilsterau in Wilster

1900 Stadt Mühle und Meierei an der Wilsterau
Blick über die Wilsterau am Audeich auf die Stadt Mühle und die benachbarte Meierei; die Land-Zufahrt zu den Gebäuden erfolgte von der heute noch so bezeichneten Mühlenstraße, die rechts mit der Mühlenbrücke zu erkennen ist.
Aus einem kleinen Lastkahn werden Ziegel an Land transportiert.
Die Stadtmühle war 1545 aus der Stadt heraus an den Standort einer alten Mühlenwarft an der Mühlenstraße (im Bereich des Dodenkoper Rechts) vor die Stadt verlegt worden; zuvor stand die Stadtmühle in der Stadt an der Ecke Blumenstraße und Rathausstraße (vorher Lange Straße oder Bäckerstraße).
Die Mühle wurde zur Zeit der Aufnahme als Windmühle und als Dampfmühle von Wilhelm Wulf betrieben. Dem Betrieb war neben einer Meierei und Fettkäserei auch eine Mästerei sowie eine Schlachterei und Wurstfabrik angegliedert. Als besonderes Produkt fertigte der Betrieb den Wilstermarsch Käse.
Um 1920 übernahm Emil Bahmert den Betrieb, aus welchem er bald darauf die Mühle an August Hennings verkaufte. Die Stadt Mühle - die Straße Stadtmühlen Weg erhielt später nach ihr den Namen - wurde 1939 abgebrochen. In den Gebäuden wurde danach von 1943 bis 1952 die Konservenfabrik VITAMO betrieben.
Die Stadt Mühle war ursprünglich eine königlich privilegierte Mühle. König Christian III. hat gemäß einer vom 10. März 1540 datierten und in Rendsburg ausgestellten Urkunde seinem Hofmeister, Amtmann zu Steinburg und Rat Johann Rantzau, Ritter, wegen des Mangels an Windmühlen in der Wilstermarsch je eine Windmühle im Kirchspiel St. Margarethen, im Kirchspiel Beidenfleth und vor Wilster zu bauen gestattet. Gleichzeitig hat er verboten, neben diese Mühlen andere zu bauen, "dewile wy genanten dre molen gnediklik den wint vorgunnet hebben und de molengeste ehn nicht schollen vorbaden werden." Absolute Herrscher verfügten damals auch über den Wind!

Bildrechte: Ludwig Behning, Wilster

1903 Wilsteraner Hafen am Rosengarten, Fracht-Ewer und Laderschuppen

1903 Wilsteraner Hafen am Rosengarten, Fracht-Ewer und Laderschuppen

1903 Wilsteraner Hafen am Rosengarten, Fracht-Ewer und Laderschuppen.
Der Hafen am Rosengarten war über Jahrhunderte hinweg Ausgangshafen für die Wilsteraner Schiffer vor ihrer Fahrt in ferne Länder – das waren z.B. um 1540 Holland, Seeland, Frankreich, Engeland, Schottland, Portugal und das „Land tho Losien“ (Andalusien) – aber auch in den Ostseeraum.
Der Hafen und die Schiffahrt sowie die Produkte der fruchtbaren Marsch begründeten die Bedeutung Wilsters und den zeitweilig hier vorhandenen relativen Wohlstand.
Der Schuppen links stand bis in die 1960er Jahre; rechts von ihm befand sich auf dem Quai ein drehbarer Ladekran.
Leider ist heute infolge der vorgenommenen Verengung des Gewässerbettes und den auf den Vorschüttungen wuchernden Gehölzanpflanzung sowie nach Entfernung der Dalben die alte Funktion kaum noch zu erkennen. Die aus senkrechten preußischen Kappen aus Ziegeln gemauerte Quaimauer und einige der eisernen Festmacherringe sind jedoch noch erhalten; zwei breite zum Wasser herabführende Treppen sind jedoch seit langem beseitigt - so wie auch der kleine drehbare eiserne Ent- und Beladekran, dessen Erhaltung bedingt durch mangelnde Sensibilität damaliger Entscheidungsträger nicht erfolgte.

Bildrechte: Verlag M. Glückstadt & Münden, Hamburg

1910 Wilsterau, Frachtsegler, Brennerkate in Bischof, Weg zum Kasenort

1910 Wilsterau, Frachtsegler, Brennerkate in Bischof, Weg zum Kasenort

1910 Wilsterau, Frachtsegler, Brennerkate in Bischof, Weg zum Kasenort
Auf der Wilsterau liegt bei der heute nicht mehr vorhandenen Brennerkate ein kleiner Frachtsegler.
In der \"Brennerkate\" wurde in früheren Zeiten Alkohol destilliert bzw. Schnaps gebrannt.
Das Gebäude ist seit langer Zeit nicht mehr vorhanden, im Gegensatz zu dem rechts im Anschnitt erkennbaren Wohnhaus.
Der Weg im Vordergrund (auf dem niedrigen Deich der Fußweg, unten der unbefestigte Fahrweg) in Bischof führte an der Wilsterau entlang zum Kasenort, wo die Wilsterau bei der im Jahre 1926 neu errichteten Schleuse in die Stör mündet.
Im Hintergrund links ist die Stadt Mühle zu sehen – sie stand an der Mühlenstraße – auf deren Gelände war nach dem II. WK der Betrieb Vitamo untergebracht.
Das rechts davon stehende Gebäude steht an der Mühlenstraße - in ihm wohnte einige Jahre der Betreiber dieser Heimat-Seite.

Bildrechte: vermutlich Ludwig Behning, Wilster
Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder von den Originalnegativen gezogene Fotografien erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1916 Frachtschiffe auf der Wilsterau in Rumfleth

1916 Frachtschiffe auf der Wilsterau in Rumfleth
Hof 497 aus

1916 Wilsterau in Rumfleth
Von einem alten Glas-Negativ gezogener Abzug.
Die Schiffe (Plattbodenschiffe mit Seitenschwertern) sind noch segelnde Ewer.
Bei der abgebildeten Situation handelt es sich vermutlich um eine Szene auf der Wilsterau in Höhe der ehemaligen Ziegelei in Rumfleth mit einem Bauernhof auf der gegenüber liegenden Seite.
Der betrieb der Ziegelei wurde 1969 eingestellt.
Den hier von mir gemeinten Hof (mit der Neuzeit angepaßten Fenstern) zeigt das Buch „Die Bauernhöfe der Wilstermarsch im Bild“, Hof 497 Klaus Jürgen Holm

Bildrechte: nicht bekannt

1920 Frachtschiffe auf der Wilsterau bei den Trocknungs- und Mahlwerken

1920 Frachtschiffe auf der Wilsterau bei den Trocknungs- und Mahlwerken

1920 Frachtschiffe auf der Wilsterau bei den Trocknungs- und Mahlwerken Günther & Co. in Rumfleth.
In den südlich gelegenen Teil der Gebäuden der ehemaligen Lederwerke Falk & Schütt waren nach dem Niedergang der Wilsteraner Lederindustrie die 1919 gegründete Firma Schleswig-Holsteinische Trocknungs- und Mahlwerke Günther & Co. untergebracht – sie wurde auch als Dörr-Fabrik bezeichnet.
Die Leder-Fabrik von Falk & Schütt ging Mitte der 1930er Jahre in Konkurs; in den weiter stadtauswärts liegenden Gebäudeteilen wurde jedoch bis weit in die 1950er Jahre unter einem anderen Betreiber Lederfabrikation betrieben.
Die Futtermittel-Fabrik Günther& Co. war im Bereich des Bahnübergangs mit einer über die Rumflether Straße führenden gedeckten Transportbrücke mit den Lagergebäuden auf der anderen Straßenseite verbunden. Der Betrieb bestand bis Mitte der 1960er Jahre.
Bis zuletzt wurde eine große Menge der Ausgangs-als auch der Fertigungsprodukte auf dem Wasserwege über die Wilsterau transportiert. Noch zu Beginn der 1960er Jahre lagen häufig mehrere Binnenschiffe zugleich am Quai der Fabrik.

Bild 1: Bildrechte: vermutlich Ludwig Behning
Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder von den Originalnegativen gezogene Fotografien erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1930 Fracht-Ewer in der Schleuse Kasenort

1930 Fracht-Ewer in der Schleuse Kasenort an der Wilsterau

1930 Fracht-Ewer in der Schleuse Kasenort.
Das zweimastige kleine Frachtschiff wartet auf die Öffnung des Schleusentores am Oberhaupt der Schleuse auf die Weiterfahrt auf der Wilsterau in Richtung Wilster.
Im Hintergrund rechts ist ein Gehöft (Hof Sühl, Nr. 227 in "Die Bauernhöfe der Wilstermarsch im Bild") zu erkennen
Die Wilsterau, ein schiffbares Gewässer I. Ordnung, hatte bis Ende der 1950er Jahre für die Frachtschifffahrt Bedeutung. Das schmale Gewässer wurde von kleinen Frachtschiffen - Ewern - durchfahren, welche Ladung von und zu der Futtermittelfabrik an der Rumflether Straße transportierten.
Die vormals gedeckte Deichschleuse an der Einmündung der Wilsterau in die Stör war n versetzter Stelle in den Jahren 1925 / 26 durch einen Neubau ersetzt worden.
Die neu erstellte Schleuse ist im Bereich der Tore 7 m breit; sie wurde im Trockenen (also nicht innerhalb eines zu der Zeit bestehenden Gewässerabschnitts)errichtet;
nach Fertigstellung der Schleuse wurde die Ausmündung der Wilsterau Stör-aufwärts verlegt.
Das Binnenhaupt (hinten) der Schleuse war seit dem Niedergang der Schifffahrt Mitte der 1960er mehrere Jahrzehnte lang funktionsuntüchtig und wurde erst in letzter Zeit in Folge des vorbildlichen Wirkens des Fördervereins
Wilster-Au und Schleuse e.V. wieder funktionsfähig gemacht.

Bildrechte: Heinrich von Holdt, Wilster

1930 Frachtschiff vor der Einmündung der Wilsterau in die Stör am Kasenort

1930 Frachtschiff vor der Einmündung der Wilsterau in die Stör am Kasenort

ca. 1930 Einmündung der Wilsterau in die Stör am Kasenort
Breit und zeitweilig träge fließt die von den Gezeiten geprägte Stör (von „store“, die „Große“ ) am Kasenort, wo sie eine fast geschlossene Mäanderschleife - die Hodorfer Schleife - ausgebildet hat.
Das noch von Segeln angetriebene kleine Frachtschiff mit den Seitenschwertern hat an den Dalben vor der Schleuse an der Ausmündung der Wilsterau festgemacht.
Der Arm (Ausmündung der "Große Feldwettern") links dahinter beherbergte später den Seglerhafen der von Heinrich von Holdt mit begründeten Seglervereinigung Wilster. Im Hintergrund sind in der Gemeinde Stördorf gelegene Gehöfte erkennbar.

Bildrechte: Rudolf Schneider Verlag, Reichenau

1931 Frachtschiff auf der Wilsterau im Winter 1930/31

1931 Frachtschiff auf der Wilsterau im Winter 1930/31
1931 Hafen Rosengarten an der Wilsterau im Winter 1930/31
931 Hafen Rosengarten an der Wilsterau im Winter 1930/31
1934 Werkstätte des Tischlermeisters und Bootsbauers Heinrich von Holdt an der Wilsterau

Winter 1931 Wilsterau am Rosengarten und am Helgenland
Die Wilsterau bietet sich dem Betrachter noch als Wasserweg (schiffbares Gewässer I. Ordnung);
am Helgenland ist das Gewässer (der Stadtarm) noch erheblich breiter als im heutigen Zustand.
Bild 1 Ein Frachtschiff liegt in der zugefrorenen Wilsterau etwa in Höhe der Waffenhalle; das Helgenland wird nur noch als Gartenland genutzt.
Bild 2 Vom Quai am Rosengarten führt eine breite Treppe hinunter zur Wasserfläche der Wilsterau
Bild 3 Blick von der Fußgängerbrücke am Rosengarten auf das an der Deichstraße gelegene Grundstück von Holdt
Bild 4 Blick von der Brücke auf die von Heinrich von Holdt im Jahre 1932 errichtete Werkstatt seiner Tischlerei; davor posieren seine Mutter Frida von Holdt sowie die gleichnamige Schwester.

Bildrechte: Frida von Holdt

1935 Wilsterau am Helgenland, Frachtschiffe, Fischer-Kähne, Sportboote

1935 Wilsterau am Helgenland, Frachtschiffe, Fischer-Kähne, Sportboote

1935 Wilsterau am Helgenland, Frachtschiffe, Fischer-Kähne, Sportboote
Noch mit einem seiner ursprünglichen Funktion als Wasserweg gerecht werdenden relativ breiten Wasserspiegel präsentiert sich die Wilsterau am Helgenland.
Rechts sind die Rückseiten der an der Deichstraße stehenden Häuser zu sehen.
Kleine Fracht-Ewer sowie ein Fischerkahn und zwei Sportboote haben am Ufer festgemacht.
In späterer Zeit wurde leider die Breite des Gewässers und somit seine Wasserfläche durch mehrere wasserrechtlich unzulässige Eingriffe erheblich eingeengt. Im Rahmen von Unterhaltungsarbeiten an der linksseitigen Uferbefestigung wurde das Ufer immer weiter in das ursprüngliche Gewässerprofil hinein verlegt - hierfür wären vorherige wasserrechtliche Verfahren erforderlich gewesen.

Bildrechte: nicht bekannt

1936 Schleuse am Kasenort

ca. 1936 Außenhaupt der Schleuse am Kasenort (Bild 1 und 2)
Die Mündung der Wilsterau in die Stör war im Zusammenhang mit dem 1926 erfolgten Neubau der Schleuse am Kasenort verlegt worden.
Die neue erstellte Schleuse hat im Bereich ihrer Tore eine Durchfahrtsbreite von 7,00 m.
Das Binnenhaupt der Schleuse war seit dem Niedergang der Schifffahrt Mitte der 1960er mehrere Jahrzehnte lang funktionsuntüchtig und wurde erst in letzter Zeit in Folge des vorbildlichen Wirkens eines Fördervereins wieder hergestellt.
Die am Deich der Stör entlang laufende Straße - gleichzeitig Deichverteidigungsweg - überbrückt im Bereich der Schleuse die Wilsterau mit einer Klapp-Brücke (Bild 3).
Vom Außenhaupt der Schleuse kann man die mächtige Hodorfer Mäanderschleife der Stör gut überblicken (Bild 4). Das Bild verdeutlicht, weshalb die frühe sächsische Bevökerung der Marschen den Fluß als Store (das heißt: die Große) bezeichnete.

Bild 1, 3 und 4: Bildrechte nicht bekannt
Bild 2: Bildrechte: Robert Friedrichs, Wilster - Sammlung Werner Behning
Anmerkung: Robert Friedrichs macht sich seit Jahren dadurch verdient, daß er alte Foto aus der Sammlung seines Großvaters Werner Behning als Repros alter Postkarten oder mittels des Alt-Wilster-Kalender interessierten Heimatfreunden anbietet. Wer diese oder von den Originalnegativen gezogene Fotografien erwerben möchte, den verweise ich auf die Seite Alt-Wilster

1948 Nutzung der Schleuse Kasenort als Dock für Frachtewer

1948 Nutzung der Schleuse Kasenort als Dock für Fracht-Ewer Wilsteraner Schiffer

(geschätzt) 1948 Nutzung der Schleuse Kasenort als Dock
Kammer der Schleuse der Wilsterau am Kasenort; Blick vom Unterhaupt der Schleuse und der über die Klappbrücke führenden Straße (im Vordergrund) in die Schleusenkammer und das Oberhaupt der Schleuse im Hintergrund. Rechts auf der Berme liegt ein Binnenschiff trocken.
Anschaulich verdeutlicht die Aufnahme, wie seinerzeit die Kammer der Schleuse Kasenort von den Wilsteraner Schiffern auch als Dock genutzt wurde. Der ausbuchtende Umfassungsdeich der Schleusenkammer umschließt rechts eine breite Berme. Auf dieser konnten durch Absenkung des Wasserspiegels die dort zuvor plazierten flachkieligen Binnenschiffe abgesetzt werden. Hierdurch war es den Schiffern möglich, auch das Unterwasserschiff ihrer kleinen Frachtewer weitgehend zu inspizieren und gegebenenfalls mit einem neuen Anstrich zu versehen.

Bildrechte: nicht bekannt
Anmerkung: Das Foto wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Ralf Steffens, Luzern, Schweiz

1951 Frachtschiff STURMVOGEL am Getreidespeicher an der Stör in Beidenfleth

1951 Frachtschiff STURMVOGEL am Getreidespeicher an der Stör in Beidenfleth
1951 Frachtschiff STURMVOGEL am Getreidespeicher an der Stör in Beidenfleth
1951 Beidenfleth, Getreide-Speicher der Hochfelder Mühle

1951 Frachtschiff STURMVOGEL am Getreidespeicher an der Stör in Beidenfleth
Der zur Hochfelder Mühle des Betriebes Trede gehörende Getreidespeicher stand in Beidenfleth an der Stelle, an welcher später von genanntem Müllereibetrieb das heute vorhandene Hochsilo errichtet wurde.
Die Firma Trede bediente sich seinerzeit für den Transport seiner Waren auch eines eigenen Werkschiffes, welches von einem Setzschiffer geführt wurde.
Die Abbildungen 1 und 2 zeigen die STURMVOGEL an der Ladevorrichtung am Speichersilo Beidenfleth.
Bild 3 zeigt die Straßenfront des Speichers.

Bildrechte: Johann Richard Peters, Wewelsfleth und Wilster; Marinemaler und Journalist

1954 Binnenschiffe in Winterruhe im Brook Hafen

1954 Frachtschiffe in Winterruhe im Brook Hafen der Stadt Wilster

1954 Binnenschiffe in Winterruhe im Brook Hafen
Viele der in der Wilsteraner Schiffergilde "Die Eintracht" organisierten Binnenschiffer vertäuten ihre kleinen Frachtschiffe zur Winterruhe in der Wilsterau im Hafen am Brook.
Bis zu Beginn der 1980er Jahre prägten die kleinen Frachtschiffe das maritime Geschehen auf der Wilsterau. Die auch zum Befahren der kleinen Gewässer geeigneten Fahrzeuge hatten einen platten Boden, so dass sie bei Ebbe gefahrlos trockenfallen konnten. Sie transportierten verschiedenste Produkte - überwiegend jedoch landwirtschaftliche Produkte und Baustoffer über Elbe, Stör, den Nord- Ostsee Kanal, die Wilsterau und andere Nebengewässer. Von der Elbe aus bestand über den Elbe-Weser Schifffahrtsweg und Hadelner Kanal sogar eine Verbindung zur Weser und von dort weiter in das Binnenschifffahrtsnetz.
Bis etwa 1966 befuhren die Ewer Wilsteraner und anderer Schiffer des Niederelbe-Reviers die Wilsterau bis zu den Mahl- und Trocknungswerken Günther & Co. in Rumfleth, um die Produkte der genannten Firma zu transportieren.
Der über einen langen Zeitraum so vertraut gewesene Anblick mit dem Wilsteraner Hafen am Brook voller Schiffe ist heute leider nur noch Geschichte. Die ungute Konzentrierung des Warentransportes weg von den Wasserwegen und hin zu den Straßen entzog den Schiffern die wirtschaftliche Grundlage.
Innerhalb eines kurzen Zeitraumes gaben ab Mitte der 1970er Jahre nach und nach alle Wilsteraner Schiffer ihren angestammten Erwerb auf, ihre Schiffe wurden größtenteils verschrottet. Ein trauriges Kapitel auch für die Stadt Wilster.
Auf dem rechts an die Wilsterau angrenzenden Gelände, dem ehemaligen Schweinebrook, hat im Mittelalter weit vor den Toren der Stadt auf dem sogenannten Galgenland der Galgen des Hochgerichts gestanden.
In dem rechts am Bildrand erkennbaren Gebäude (Mühlenstraße 5) wohnte in den Jahren von 1974 bis 1977 der betreiber dieser Heimat-Seite mit seiner Familie.
Das links erkennbare langgestreckte Gebäude war das sogenannte Landarmenhaus; es ist jenseits der Wilsterau und bereits auf dem Gebiet der Gemeinde Dammfleth gelegen.

Bildrechte: nicht bekannt

1960 Wilsterau, Frachtewer im Hafen am Brook, Allee, Schweinsbrücke

1960 Wilsterau, Liegeplatz für Ewer Wilsteraner Schiffer im Hafen am Brook - Allee, Schweinsbrücke in Wilster

ca. 1960 Wilsterau, Hafen am Brook, Allee, Schweinsbrücke
Das an die Wilsterau angrenzende Gelände links wurde weitgehend von Albert Stechemesser für dessen Steinmetzbetrieb als Lagerplatz genutzt.
In dem kleinen hölzernen Gebäude wohnte der Arbeiter Robert Ratjens mit seiner Familie.
Die hölzerne Schweinsbrücke wurde 1964 durch einen Stahlbeton-Neubau ersetzt. Sie trug ihren Namen, weil in früheren Zeiten Teile des Geländes - der sogenannte Schweine-Brook - am Brook als Weide für Schweine der Wilsteraner Bürger genutzt worden ist.

Bildrechte: nicht bekannt

1962 Fracht-Ewer auf der Wilsterau in Rumfleth bei den Trocknungs- und Mahlwerken Günther & Co.

1962 Fracht-Ewer auf der Wilsterau in Rumfleth

1962 Fracht-Ewer auf der Wilsterau in Rumfleth bei der Futtermittel Fabrik an der Rumflether Straße.
In den Richtung des Bahnüberganges gelegenen Gebäuden der ehemaligen Lederwerke waren nach dem Niedergang der Wilsteraner Lederindustrie die 1919 gegründete Firma Schleswig-Holsteinische Trocknungs- und Mahlwerke Günther & Co. untergebracht. Bis etwa 1966 befuhren die Ewer Wilsteraner und anderer Schiffer des Niederelbe-Reviers die Wilsterau, um die Produkte der genannten Firma zu transportieren.
Nach Beendigung des Betriebes zog 1967 die Möbelgroßhandlung Grünhagen in die Gebäude der Trocknungswerke ein.
Bereits vorher waren 1960 die weiter stadtauswärts liegenden Gebäudeteile, in welchen noch bis in die 1950er Jahre Lederfabrikation betrieben wurde, von der Steatit Magnesia AG (STEMAG) aus Köln-Porz für ihre Zwecke als Produktionsstätte umgestaltet worden.
Vor der Mühle AURORA im Hintergrund ist das 1960 an den alten Baukörper der Leder-Werke angebaute neue Betriebsgebäude zu erkennen.
Das kleine Wohnhaus davor diente als Werkwohnung für den Betriebsleiter der STEMAG.

Bildrechte: Wolfgang Bockelmann, Krefeld,
welcher das Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte.

1964 ARKONA und JOHANNA in der Kammer der Schleuse der Wilsterau am Kasenort

1964 Ewer ARKONA und Kielschwertkreuzer JOHANNA in der Kammer der Schleuse der Wilsterau am Kasenort

1964 Kammer der Schleuse der Wilsterau am Kasenort.
Blick vom Oberhaupt der Schleuse und ihrer Klappbrücke (im Vordergrund) in die Schleusenkammer und das Unterhaupt der Schleuse im Hintergrund.
In der Kammer liegt das Binnenschiff "ARKONA" sowie an den Schlengeln die Segeljacht "JOHANNA" von Albert Bergner
(letztere ist das 1949 von Heinrich von Holdt in der Werft im Möbelladen erbaute Sportboot).
Im Zusammenhang mit dem 1926 erfolgten Neubau der Schleuse ist die Mündung der Wilsterau in die Stör verlegt worden.
Die neue erstellte Schleuse hat im Bereich ihrer Tore eine Durchfahrtsbreite von 7,00 m.
Das Binnenhaupt der Schleuse war seit dem Niedergang der Schifffahrt ab Mitte der 1960er mehrere Jahrzehnte lang funktionsuntüchtig geworden; es wurde erst in letzter Zeit in Folge des vorbildlichen Wirkens eines Fördervereins wieder ertüchtigt.

Bildrechte: Heinz Oest, Lichtbildfreunde Itzehoe

1964 Frachtewer CHRISTINA ex MELPOMENE, Rumflether Mühle

1964 Rumflether Mühle und Frachtewer CHRISTINA ex MELPOMENE

1964 Rumflether Mühle "AURORA" und der letzte Fracht-Ewer auf der Wilsterau.
Der letzte Fracht-Ewer auf der Wilsterau war die für den Müllermeister Martens fahrende CHRISTINA, welche als MELPOMENE 1895 erbaut worden war.
Im Jahr 1960 erwarb der Müllermeister Martens von der Rumflether Mühle „Aurora“ die MELPOMENE. Umgetauft auf den Namen CHRISTINA wurde der Ewer über einen Zeitraum von 15 Jahren für den Transport von Müllereiprodukten eingesetzt; er war das letzte frachtfahrende Schiff auf der Wilsterau. Geführt wurde die CHRISTINA lange Zeit von dem Wilsteraner Schiffer Heino Brandt. Das Bild zeigt die CHRISTINA an ihrem Liegeplatz in Sichtweite der Rumflether Mühle. Das kleine Frachtschiff konnte durch den erkennbaren Sticharm direkt zum Quai an der Mühle gelangen.
Gegenwärtig wird das alte Schiff als MELPOMENE von STÖCKTE im Rahmen eines sozialen Projekts als lebendiges Museumsschiff restauriert; Heimathafen Stöckte bei Winsen (Luhe).
Weitere Informationen zur MELPOMENE.
Das Wiesengelände zwischen der Wilsterau und der Rumflether Straße war um 1600 zwecks Auffüllung des Geländes für den damals neu im heutigen Stadtpark eingerichteten Friedhof abgegraben worden.
Rechts im Bild sind die im Jahr 1960 für die Steatit-Magnesia Werke (STEMAG) umgebauten ehemaligen Gebäude der Lederwerke Falk & Schütt an der Rumflether Straße erkennbar.
Im Hintergrund sind Häuser an den Straßen Rumflether Deich und Vereinsstraße zu sehen.

Bildrechte: Cramers Kunstanstalt KG., Dortmund

Brook-Hafen voller Binnenschiffe am 01. Juli 1984

Wilster - Brook-Hafen voller Binnenschiffe am 01. Juli 1984
Wilster - Brook-Hafen voller Binnenschiffe am 01. Juli 1984
Wilster - Brook-Hafen voller Binnenschiffe am 01. Juli 1984
Wilster - Brook-Hafen voller Binnenschiffe am 01. Juli 1984

In Wilster beheimatete Binnenschiffe im Hafen am Brook.
Es ist gerade einmal einviertel Jahrhundert her, daß - so wie hier am 01. Juli 1984 - der Wilsteraner Hafen am Brook voller Schiffe der Wilsteraner Schiffer lag.
Leider ist dieser imposante Anblick heute schon lange Geschichte, nachdem die ungute Konzentrierung des Warentransportes weg von den Wasserwegen und hin zu den Straßen den Schiffern die wirtschaftliche Grundlage entzog.
Innerhalb eines kurzen Zeitraumes gaben nach und nach alle Wilsteraner Schiffer ihren angestammten Erwerb auf, ihre Schiffe wurden größtenteils verschrottet. Ein trauriges Kapitel auch für die Stadt Wilster.
Von den Wilsteraner Schiffern waren zuletzt nur noch Peter Brandt mit seinem Sohn Thorge aktiv, denn ihnen gelang der Umstieg auf die Personenschifffahrt. Dieses nicht nur mit dem die Wilsterau befahrenden AUKIEKER, sondern mit den von Brunsbüttel aus fahrenden Schiffen GERMANIA und NORDSTERN. Diese Ära endete im Jahr 2013 mit dem Verkauf der beiden letztgenannten Schiffe.
Bild 1: Der Hafen am Brook
Bild 2: Vorn die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg; dahinter die PETER, Eigner Peter Brandt; hinten die OCEAN, Eigner Hans Ulrich
Bild 3: Bunkerboot HERZOGIN BRIGITTE
Bild 4: im Vordergrund eine Schute; links die LIANE, Eigner Karl Hugo Hein; dahinter die KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; rechts die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg

Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte

Germania - Ausflugsschiff der Reederei PSB Brandt

2008 in der Schleuse Kasenort: GERMANIA - Ausflugsschiff der Reederei PSB Brandt
Reedereiflagge der PSB Brandt
2010 auf der Elbe bei Stadersand: GERMANIA - Ausflugsschiff der Reederei PSB Brandt
2010 auf der Elbe bei Stadersand: GERMANIA - Ausflugsschiff der Reederei PSB Brandt

MS Germania - Ausflugsschiff der PSB Brandt
Die Familien der wilsteraner Schiffer Peter Brandt und dessen Sohn Thorge betrieben im Zeitraum von 1997 bis 2013 die Reederei Personenschifffahrt Brunsbüttlel; Sitz der Reederei war Wilster. Schon Vater und Großvater von Peter Brandt waren Eigner und Kapitäne von Frachtewern gewesen.
Im Jahr 2013 wurde die Reederei an einen neuen Eigner verkauft.
Mit ihren Schiffen GERMANIA und NORDSTERN führte die Reederei PSB nahezu ganzjährig Ausflugsfahrten überwiegend auf Elbe und Stör sowie auf dem Nord- Ostsse Kanal durch. Zunächst mit der 36 m langen und 7 m breiten GERMANIA, welche 300 Personen befördern konnte und von diesen für 100 Platz im Salon bot. Ab 2000 wurde mit der NORDSTERN die Flotte vergrößert.
Die GERMANIA ist 1960 auf der Schichau Werft in Bremerhaven gebaut worden. Bild 1 zeigt sie im Jahr 2008 an ihrem Liegeplatz in der Schleuse am Kasenort; der Eigner Peter Brandt geht gerade von Bord.
Bild 2 zeigt die Reederei Flagge PSB Brandt
Die Bilder 3 und 4 zeigen die GERMANIA im Jahr 2010 auf der Elbe bei Stadersand.

Bildrechte:
Bild 1: Seitenbetreiber
Bilder 3 und 4: E. Graudenz, Hamburg

HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE a

HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE
Ein Schiff - unterschiedliche Namen und Gestalt
Ein ganz besonderes Schicksal mit glückhaftem Ende durchlebte das Wilsteraner MS HERTHA.
Auf der Werft von J. Junge in Wewelsfleth wurde die HERTHA im Jahre 1914 erbaut für ihren Wewelsflether Eigner, den dort wohnhaften Schiffer Hermann Heinrich Willi Hein.
Die HERTHA war ein sogenannter „Lägerdorfer Ewer“, welche für die Fahrt auf dem engen Lägerdorfer Kanal bestimmte Maße nicht überschreiten durfte.
Der originale Bauplan der HERTHA, welche unter der Baunummer 217/1914 auf Kiel gelegt wurde, wird heute im „Deutschen Schifffahrtsmuseum“ in Bremerhaven verwahrt. Die HERTHA war nach ihrer Takelage ein Besan-Ewer; sie konnte 54 t tragen und hatte die Abmessungen 16,91 x 4,15 x 1,31 Meter.
Während des I. Weltkrieges war die HERTHA in Wewelsfleth aufgelegt, denn der Schiffer war zum Militärdienst eingezogen worden.
Die HERTHA war zunächst ein reines Segelschiff, welches auch für die Küstenfahrt eingesetzt werden konnte. Erst im Jahre 1927 erhielt die HERTHA auf der Peters-Werft in Wewelsfleth eine 28 PS starke Maschine; ihr Besan-Mast wurde beseitigt und Klüver- und Toppsegel abgeriggt. Gleichzeitig wurde das Schiff um 6 Meter verlängert und fortan nur noch als Binnenschiff registriert.
Die Bilder 1 und 2 zeigen die HERTHA im Jahre 1929 nach dem Umbau; die Familie des Schiffers hat sich auf dem Vorschiff aufgestellt.
Eine ihrer letzten Fahrten unter ihrem ersten Eigner führte die HERTHA nach Kiel; Bild 3 zeigt sie dort am 26.12.1951. Im Jahre 1952 setzte sich der alte Schiffer Hermann Heinrich Willi Hein nach über vierzigjähriger Fahrenszeit in Wewelsfleth zur Ruhe, wo er 1978 im Alter von 88 Jahren seine letzte Reise antrat.
Nach seinem Vater übernahm Karl Hugo Hein die HERTHA; das Bild 4 zeigt sie bei stürmischen Wetter auf der Elbe, offenbar in Höhe vom Leitfeuer "Pagensand Nord".

Bildrechte: nicht bekannt
Bilder und Informationen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE b

MS HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE
Neuer Eigner und Schiffer der HERTHA wurde der Sohn Karl Hugo des in den Ruhestand gegangenen Hermann Heinrich Willi Hein.
Der neue Eigner ließ bereits im August 1953 das Schiff erhöhen und um weitere vier Meter verlängern, wonach es 125 t tragen konnte; der neu eingebaute Motor hatte eine Leistung von 95 PS, er wurde 1964 durch eine 125 PS starke Maschine ersetzt.
Die Bilder 1 bis 3 zeigen die HERTHA bei ihrer Vergrößerung auf dem Helling der Peters Werft in Wewelsfleth
Das Bild 4 zeigt die HERTHA im Jahre 1953 nach der erfolgten Modernisierung.

Bildrechte: nicht bekannt
Bilder und Informationen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE c

1967 Binnenschiffe vor der Schiffdorfer Schleuse in der Geeste
1967 AXEL von WILSTER ex HERTHA vor der Schiffdorfer Schleuse in der Geeste an den Dalben
2008 MATHILDE ex AXEL von WILSTER ex HERTHA im Museumshafen Lübeck
2008 Peter von Holdt vor der MATHILDE im Museumshafen Lübeck

HERTHA - AXEL von WILSTER - MATHILDE
Die jetzt in Wilster beheimatete HERTHA wurde im Jahre 1966 abermals vergrößert. Auf der Johann-Brockmüller Werft in Glückstadt wurde sie auf insgesamt 33,5 Meter Länge gebracht, wonach sie eine Tragfähigkeit von 154 t hatte. Die ursprüngliche Länge des Schiffes war somit fast verdoppelt.
Aus HERTHA wurde zu diesem Zeitpunkt die „AXEL von WILSTER“.
Das Bild 1 zeigt die AXEL von WILSTER ex HERTHA im Jahr 1967 inmitten eines Päckchens weiterer Binnenmotorschiffe - ganz links an der Brücke liegt die ebenfalls in Wilster beheimatete URSULA von Schiffer Suhl - vor der Schiffdorfer Schleuse in der Geeste sowie (Bild 2) an den Dalben. Von der Geeste ging es weiter im Verlaufe des Elbe-Weser-Schifffahrtsweges über den Hadelner Kanal zur Elbe bei Otterndorf.
Im Jahre 1968 wurde die AXEL von WILSTER ex HERTHA an den Mühlenbesitzer Hans Reimers in Kellinghusen verkauft, für den sie mit Setzschiffern besetzt bis 1982 fuhr. Danach wurde sie wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit und nachteiliger Veränderungen des Fahrwassers der Stör aufgelegt. Zur damaligen Zeit wurden fast alle alten Ewer abgewrackt.
Der AXEL von WILSTER ex HERTHA blieb dieses Schicksal erspart, sie wurde privat erworben und von dem neuen Eigner fast original in ihren ursprünglichen Zustand zurück gebaut. Nach dem auf der Werft von Günter Muche an der Dove-Elbe bei Hamburg Allermöhe durchgeführten Rückbau wies sie mit 18,5 x 4,2 x 1,35 Meter nahezu wieder ihre alten Maße auf, zudem wurde sie wieder als Besan-Ewer aufgeriggt. Es versteht sich von selbst, daß gleichzeitig das Schiffsinnere zeitgemäß und wohnlich umgestaltet wurde. Genau ein dreiviertel Jahrhundert nach ihrem ersten Stapellauf wurde der wundervoll wieder hergerichtete alte Ewer wieder seinem Element übergeben. Sie wurde umbenannt in MATHILDE
Seit 1993 ist der Heimathafen der MATHILDE ex AXEL von WILSTER ex HERTHA der Museumshafen Lübeck. Wenn sie nicht gerade in den Küstengebieten von Nord- und Ostsee unterwegs ist, kann sie dort in neuer alter Pracht bewundert werden (Bilder 3 und 4)
Bild 4 zeigt den Begründer dieser Heimat-Seite vor der in Lübeck liegenden MATHILDE

Bildrechte Bilder 1 und 2: nicht bekannt
Bilder und Informationen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster
Bildrechte Bilder 3 und 4: Traute von Holdt, Tungeln

KASENORT

Wilsteraner Hafen am Brook, KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; dahinter die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Wilsteraner Hafen am Brook, KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; dahinter die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg; dann die PETER, Eigner Peter Brandt; hinten die OCEAN, Eigner Hans Ulrich
Wilsteraner Hafen am Brook, KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; rechts davon die WEEKEND ex PIRAT, Eigner Willy Schwabe; hinten NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Wilsteraner Hafen am Brook, links NIXE; dahinter LIANE; rechts KASENORT; dahinter WEEKEND

Die KASENORT im Wilsteraner Hafen am Brook.
Das 321 Ladetonnen tragende Binnenschiff KASENORT gehörte dem Wilsteraner Schiffer Werner Rogkensack.
Bild 1: KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; dahinter die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Bild 2: KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; dahinter die NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg; dann die PETER, Eigner Peter Brandt; hinten die OCEAN, Eigner Hans Ulrich
In dem Wohnhaus im Hintergrund, dem Haus Mühlenstraße 5 wohnte von 1974 bis 1977 der Begründer dieser Heimat-Seite, Peter J. von Holdt, mit seiner Familie.
Bild 3: Die KASENORT, Eigner Werner Rogkensack; rechts davon die WEEKEND ex PIRAT, Eigner Willy Schwabe; hinten NIXE, Eigner Hans Peter Gruenberg
Bild 4: links NIXE; dahinter LIANE; rechts KASENORT; dahinter WEEKEND

Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte

LIANE a Havarie und Untergang am 10. Februar 1969

Havarie und Untergang der "Liane" am 10.02.1969
Über viele Generationen hinweg und bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hinein prägten die in Wilster mit ihren Fahrzeugen beheimateten Schiffer Handel und Ansehen der Stadt.
Zu den die Schiffer Tradition tragenden Familien fallen mir folgende Namen ein: Bielenberg, Bösch, Brandt, Brügge, Groth, Grünberg, Hasch, Hein, von Holdt, Jürgens, Krumm, Maass, Rosenbaum, Schwabe, Suhl, Tietjen, Ulrich, Umland, Wicht, Winkler (wobei die Aufzählung natürlich nicht vollständig ist).
Von der Wilsteraner Flotte sind viele Geschehnisse belegt – von einem besonders dramatischen Geschehen berichten die Bilder.
Der aus Wewelsfleth stammende und in Wilster wohnhafte Schiffer Karl Hugo Hein (40) hatte in der zweiten Januar Woche des Jahres 1969 mit seinem erst seit einem halben Jahr in seinem Eigentum stehenden Frachtmotorschiff LIANE (335 tons) eine Ladung Tapioka Pellets aus Bremen geholt. Über den Hadelner Kanal von der Weser kommend war er am 10. Februar wieder in die Elbe gelangt. Eben oberhalb von Otterndorf kam in Höhe der Fahrwassertonne S (seinerzeit eine schwarze Spitztonne) plötzlich eine Nebelbank auf mit Sichtweiten von 50 bis 100 Meter, weshalb der Schiffer mit der LIANE außerhalb des Tonnenstrichs ging, die Fahrt aus dem Schiff nahm und es dort treiben ließ. Das Neufelder Kümo TOGO zog innerhalb des Tonnenstrichs fahrend an ihm vorbei und kam rasch außer Sicht.
Zur gleichen Zeit fuhr die zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel verkehrende Elbfähre WIKING bei Flut-Tide stromauf, als sie von dem schnelleren 5415 BRT großen norwegischen Motorschiff TRITON (Reederei Wilhelm Wilhelmsen in TØnsberg/Norwegen) überholt wurde. Der Norweger wurde bei der Revierfahrt von einem Seelotsen unterstützt. Die TRITON gab Nebelsignale, welche von der LIANE beantwortet wurden.
Für den Schiffer Karl Hugo Hein und seinen Jungmann Gerd Geißler (19) an Bord die LIANE blieb nur noch Zeit, volle Kraft achteraus zu geben und in aller Eile am Heck das Rettungsboot zu Wasser zu bringen, als die TRITON aus dem Nebel auftauchte und direkt auf sie zuhielt. Eine Kollision war unvermeidlich; sie geschah um 14:50 Uhr. Der Rammstoß der TRITON geschah mit solcher Gewalt, daß sie quer durch die LIANE hindurch lief und diese zweiteilte. Das Vorschiff der LIANE sank unmittelbar nach der Kollision. An dem langsam absackenden Achterschiff hatten sich der Schiffer und sein Jungmann festklammern können, wobei sie von dem eisigen Wasser der Elbe überspült wurden. Einige Habseligkeiten konnten noch geborgen und in das Rettungsboot geworfen werden, bevor auch Karl Hugo Hein und Gerd Geissler von Bord gingen. Wenige Minuten nach der Kollision zeigten nur noch ein paar Luftblasen an, wo die LIANE untergegangen war.
Bild 1 Ausschnitt aus einer Seekarte der Elbe (aus Die Elbe, Verlag Carl Griese, Hamburg)
Bilder 2 bis 4 Untergang der LIANE; Bildrechte nicht bekannt
die Unterlagen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

Nachsatz: Die 1948 gebaute TRITON wurde noch 1969 nach Singapur verkauft, wo sie in APLICHAU umbenannt wurde

LIANE b Untergang und Rettung der Besatzung am 10. Februar 1969

Havarie-Bericht Seite 1
Havarie-Bericht Seite 2
Havarie-Bericht Seite 3

Untergang des MS LIANE und Rettung der Besatzung am 10. Februar 1969
Nach dem Untergang des Motorschiffs MS LIANE ruderten der sich in das Rettungsboot gerettet habende Schiffer Karl Hugo Hein zusammen mit seinem Jungmann Gerd Geißler zu der an der Unfallstelle eingetroffenen Elb-Fähre WIKING hinüber, die sie an Bord nahm.
Auch auf der TRITON war ein Rettungsmanöver eingeleitet worden; sie hatte Anker geworfen und ein Boot wurde zu Wasser gefiert. Das Manöver wurde jedoch gestoppt, als die WIKING bereits zur Hilfeleistung längsseit schor. Die WIKING brachte die Schiffbrüchigen nach Brunsbüttelkoog. Die TRITON setzte ihre Fahrt fort.
Über den Hergang der Havarie liegt der Bericht des Schiffers Karl Hugo Hein vor, in welchem dieser das Geschehnis schildert (Bilder 2 bis 4)

Bild 1 ; Aufgenommen von einem Passagier der Fähre WIKING
Bild 2 – 4 Havarie-Bericht
die Unterlagen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

LIANE c Bergung am 10. bis 13. Februar 1969

Bergung des MS LIANE am 10. bis 13. Februar 1969
Das nach dem Rammstoß der TRITON gesunkene MS LIANE war bei der Wilsteraner Schiffergilde „Die Eintracht“ versichert. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Havarie hat der tatkräftige Ältermann der Schiffergilde, Willy Jürgens, zusammen mit dem Gildeschreiber Peter Thomsen die Bergung des Havaristen bei der Hamburger Bergungsfirma Ulrich Harms in Auftrag gegeben.
Die riesigen Schwimmkräne MAGNUS III und MAGNUS V der Firma Ulrich Harms machten sich noch am selben Tag auf den Weg zur Unfallstelle. Taucher legten die Stroppen unter die Schiffshälften und schon bald hingen diese in den Stroppen.
Unter Assistenz des Schleppers ARGUS traf der riesige Kran MAGNUS III mit dem gehobenen Vorschiff der LIANE bereits am 12. Februar 1969 in Wewelsfleth an der Stör ein. MAGNUS V mit dem Achterschiff der LIANE folgte am Vormittag des 13. Februar 1969; die Schiffshälften wurden am Löschplatz neben dem Wewelsflether Fährdamm abgesetzt. In Wewelsfleth erfolgten auch die provisorische Abdichtung der Hälften sowie die Bergung von Ladung und Mobilien.

Bilder 1 bis 4 Bildrechte nicht bekannt
die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

LIANE d Wrack der LIANE im Frühjahr 1969

Wrack des MS LIANE im Frühjahr 1969
Das in Wewelsfleth am Ufer der Stör abgesetzte Wrack – besser die beiden Hälften - des MS LIANE und die Verformungen des Rumpfes verdeutlichen, mit welcher Wucht der Rammstoß der TRITON erfolgte (Bilder 1 und 2).
Die Ladung aus dem stärkehaltigen Futtermittel Tapioka-Pellets (ein Produkt aus getrockneter Maniokwurzel) wurde auf das MS GABY umgeladen und von diesem nach Hamburg gebracht.
Die beiden Schiffshälften der LIANE wurden bei der Peters-Werft in Wewelsfleth provisorisch abgedichtet, wonach sie dann im März zur Reparatur zur Johann-Brockmüller-Werft nach Glückstadt geschleppt wurden. Die Bilder 3 und 4 zeigen die beiden Hälften der LIANE im Glückstädter Binnenhafen.
Auf Bild 3 sieht man den Schiffer und Eigner Karl Hugo Hein vor dem abgetrennten Achterschiff und dem dahinter liegenden Vorschiff des Wracks.

Bildrechte nicht bekannt
die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

LIANE e Reparatur im April und Mai 1969

Reparatur des MS LIANE im Frühjahr 1969 in Glückstadt
Auf dem Helling der Werft von Johann Brockmüller in Glückstadt wurden die beiden Hälften des nach einer Havarie mit der norwegischen TRITON in zwei Teile zerschnittenen MS LIANE wieder zusammen gefügt.
Die Bilder 1 und 2 zeigen die Arbeiten an der Außenhaut des Schiffes; an der Backbordseite mußten 6 Meter und an der Steuerbordseite 13 Meter der Außenhaut erneuert werden.
Es versteht sich von selbst, daß sowohl das Logis im Vorschiff als auch die Wohnräume im Achterschiff sowie das Steuerhaus völlig neu hergerichtet werden mußten. Die Tischlerarbeiten wurden von der Glückstädter Jachtwerft Asmus durchgeführt.
Nach mehr als einem Vierteljahr nach der Kollision – eine harte Zeit, in welcher der Eigner keinen Verdienst erwirtschaften konnte – lag dann endlich Ende Mai 1969 die MS LIANE wieder in ihrem Heimathafen am Großen Brook in Wilster.

Bilder 1 bis 4 Bildrechte nicht bekannt
die Bilder wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

LIANE f Verhandlung vor dem Seeamt am 27.März 1969

Verhandlung der Havarie der LIANE vor dem Seeamt.
Die Verhandlung über die Kollision des norwegischen Dampfers TRITON mit dem MS LIANE fand am 27. März 1969 vor dem Hamburger Seeamt statt.
Das Seeamt bescheinigte dem Schiffsführer und Eigner des MS LIANE, Karl Hugo Hein, daß ihn an der Kollision kein schuldhaftes Verhalten traf; der Gutachter des Seeamtes, Konteradmiral a.D. Johannessen, bezeichnete ihn als einen erfahrenen und vorsichtigen Schiffer.
Das Seeamt kam zu folgendem Spruch: „Am 10. Februar 1969 gegen 14:50 Uhr ist das elbaufwärts fahrende norwegische Motorschiff „Triton“ unterhalb Belum mit dem bei der Leuchttonne treibenden Binnenmotorschiff „Liane“ zusammengestoßen. Die „Liane“ ist in zwei Teile zerschnitten worden und gesunken. Die Besatzung ist gerettet worden. Der Unfall ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die „Triton“ mit zu hoher Fahrt in eine Nebelwand hineingelaufen ist, in der die „Liane“ schräge zum Fahrwasser trieb. Der Seelotse der „Triton“ hat sich insofern schuldhaft verhalten, als er nicht die durch die Umstände gebotene Vorsicht beachtet hat. Die Maßnahmen nach dem Unfall entsprechen der Lage.“
Die Schiffsführung der „Triton“ zu beurteilen, stand dem Hamburger Seeamt nicht zu.
Karl Hugo Hein fuhr die nach der folgenschweren Havarie wieder in ihre Funktionen versetzte "LIANE" bis in das Jahr 1987, wonach er sie dann veräußerte. Er selbst trat im Jahr 1994 seine letzte große Reise an.

Bild 1 zeigt die „LIANE“ in der Kammer der Schleuse am Kasenort; Bildrechte: R. Horstmann, Wilster
Bilder 2 – 4 zeigt einen Bericht aus dem VDK Heft „Deutsche Küstenschiffahrt“ Nr. 8 / August 1969, Verlag Gebrüder Kuhls, Hamburg
die Unterlagen wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau Liane Hein, Wilster

LIANE g im Hafen am Brook in Wilster

Die LIANE im Hafen am Brook in Wilster
Die Liegezeiten im Heimathafen in Wilster waren für die Wilsteraner Schiffer zumeist auch verbunden mit Pflegearbeiten an ihren Schiffen.
Von einem Behelfs-Floß aus versieht der Schiffer Karl Hugo Hein sein Binnenschiff LIANE mit einem neuen Überwasseranstrich, während seine Ehefrau Liane an Deck Pflegearbeiten verrichtet (Bilder 1 und 4).
Das stattliche Wohnhaus im Hintergrund (Bilder 2 und 3) links von der Schweinsbrücke steht im Eigentum des Ehepaares Hein.

Bildrechte: André Konietzko, Elmshorn, der die Fotos freundlicherweise für diese Heimat-Seite zur Verfügung stellte

MELPOMENE – CHRISTINA – EULE von TOLLERORT – MELPOMENE von STÖCKTE

CHRISTINA ex MELPOMENE in der Schleuse Kasenort
CHRISTINA ex MELPOMENE auf der Wilsterau vor der Rumflether Mühle
die andere MELPOMENE aus Burg in Dithmarschen

MELPOMENE – CHRISTINA – EULE von TOLLERORT – MELPOMENE von STÖCKTE
Der letzte Fracht-Ewer auf der Wilsterau
Der eiserne Besan-Ewer MELPOMENE wurde 1895 auf der Werft von Ernst Niemand in Boizenburg (Elbe) für Rechnung des Lägerdorfer Schiffers Claus Lemburg erbaut. Mit den Abmessungen 17,93 x 4,12 x 1,31 war der 25 BRT große Ewer für die Fahrt auf dem Münsterdorfer Kanal und die dortigen Schleusen konzipiert. So wurde der auch als Seeschiff geeignete Ewer in der Folge überwiegend für den Transport von Zement aus Lägerdorf genutzt. Im Jahr 1909 erwarb der Sohn Johannes Lemburg die MELPOMENE von seinem Vater.
1926 erhielt das als reiner Segler betriebene Schiff den Heimathafen Wilster, als der Wilsteraner Schiffer Johannes Wicht es erwarb. Dieser ließ 1929 einen 12 PS starken Glühkopfmotor als Hilfsmotor einbauen, der Besan wurde abgeriggt. Bei einem Unglücksfall in Lägerdorf fand der neue Eigner den Tod, wonach dann die Witwe Maria geb. Bösch gemeinsam mit ihrem bereits zuvor den Ruhestand angetretenen Vater, Schiffer Hinrich Bösch, den Ewer weiter betrieb. Mit ihrem zweiten Ehemann, den Wilster Schiffer Emil Hasch, fuhr sie die MELPOMENE bis zum Beginn des II. Weltkrieges. Im Oktober 1938 kam es zu einer folgenschweren Havarie, als die MELPOMENE vor der Mündung der Stör während eines Sturmes auf ein Stack lief, vollschlug und sank. Der kleine Frachter konnte jedoch durch einen bewundernswerten Einsatz der Feuerwehr Wewelsfleth geborgen werden.
Während des Krieges lag die MELPOMENE in ihrem Heimathafen Wilster auf und ging erst 1947 nach der Rückkehr ihres Eigners wieder auf Fahrt. Der Schiffer Emil Hasch starb jedoch bereits 1949. Seine tatkräftige Frau Maria (Miethe) Hasch, verw. Wicht, geb. Bösch, erwarb daraufhin das Schifferpatent und führte die MELPOMENE allein über einen Zeitraum von zehn Jahren. Miethe Hasch war in dieser Funktion als Kapitänin eine ganz besondere Institution im Elbe-Revier und der Begründer (Peter J. von Holdt) dieser Heimat Seite kann sich noch gut an sie erinnern.
Im Jahr 1960 erwarb der Müllermeister Martens von der Rumflether Mühle „Aurora“ die MELPOMENE. Umgetauft auf den Namen CHRISTINA wurde der Ewer über einen Zeitraum von 15 Jahren für den Transport von Müllereiprodukten eingesetzt; er war das letzte frachtfahrende Schiff auf der Wilsterau. Geführt wurde die CHRISTINA lange Zeit von dem Wilsteraner Schiffer Heino Brandt. Bild 2 zeigt die CHRISTINA an ihrem Liegeplatz in Sichtweite der Rumflether Mühle.
1976 wurde die CHRISTINA ex MELPOMENE an einen Liebhaber alter Schiffe verkauft, der sie unter dem Namen EULE von TOLLERORT wieder in ihren ursprünglichen Zustand als Ketsch getakelter Besan-Ewer annähernd auf die Ursprungsmaße zurückbauen ließ. Gegenwärtig (2013) wird das alte Schiff als MELPOMENE von STÖCKTE im Rahmen eines sozialen Projekts als lebendiges Museumsschiff restauriert; Heimathafen Stöckte bei Winsen (Luhe). Siehe dazu mehr zu MELPOMENE
Der wieder verwendete Name MELPOMENE ist absolut passend für das alte Schiff. Melpomene „die Singende“ ist eine der neun Musen aus der griechischen Mythologie. Melpomene hat über lange Zeiträume Unglück und Leid gesehen; durch ihren Gesang transportiert sie neue Kraft in den menschlichen Geist und hilft so, den Stürmen des Lebens zu begegnen. Eine solche Geschichte hat auch der Besan-Ewer MELPOMENE.
Bild 1 Die CHRISTINA ex MELPOMENE in der Schleusenkammer am Kasenort
Bild 2 Die CHRISTINA ex MELPOMENE bei der Rumflether Mühle
Bild 3 die gleichnamige Galeasse Melpomene des Burger Schiffers H.F. Meyburg

Es gab in der Region ein weiteres Frachtschiff mit dem Namen MELPOMENE. Dieses war die in Bild 3 abgebildete geleichnamige Galeasse; sie war 1912 erbaut worden für den Schiffer H.F. Meyburg aus Burg in Dithmarschen. Dieses Schiff war wesentlich größer und hatte auch ein ganz anderes Heck. Meyburg liess sich 1938 in Beidenfleth ein neues Schiff bauen, welches ebenfalls wieder den Namen MELPOMENE bekam. Sein altes Schiff verkaufte er an Kapitän Theodor Behrmann aus Krautsand, der seine Neuerwerbung in TELSE INGE umbenannte.
1964 wurde das Schiff abgewrackt.

Bildrechte:
Bild 1 nicht bekannt
Bild 2 Cramers Kunstanstalt KG., Dortmund
Bild 3 nicht bekannt; es wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rudolf Böckmann, Burg / Dithmarschen
Die Informationen zur Burger MELPOMENE stammen von Herrn Andre Konietzko, Elmshorn

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